Selbstverständnis Lady*fest 2013

Wir sind eine offene feministisch-politisch orientierte Gruppe von Menschen in Heidelberg, die es sich zum Ziel gesetzt hat, ein Lady*fest zu organisieren (übrigens das erste in Heidelberg). Die meisten von uns interessieren sich seit längerem für Themen wie Geschlecht, Feminismus und Queer-Theorie. Wir haben nun Lust bekommen, die Theorie auch in die Praxis umzusetzen – mit einem Lady*fest, das die Möglichkeit bietet, verschiedene Umgangsweisen und Handlungsmöglichkeiten auszuprobieren und zur Diskussion zu stellen.

Unser erster „Arbeits“konsens war: ein Festival in Heidelberg zu organisieren, das Politik und Kultur miteinander verbindet. Feministische Tage, gefüllt mit Vorträgen, Diskussionsrunden, Workshops, kreativen Aktionen, Theater, Konzerten und DJ(ane)s. Dabei sollen die Aktiven Frauen* sein, um so eine Gegenkultur zu der männlichen Hegemonie auf Bühnen und Podien zu schaffen. Diese strukturellen Benachteiligungen finden sich allerdings nicht nur im Kunst- und Kulturbetrieb, sondern auch auf allen anderen gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Ebenen. So sind Frauen* immer noch ökonomisch schlechter gestellt als Männer: In Deutschland verdienen sie im Schnitt 23% weniger als Männer und sind öfter von Altersarmut betroffen. Bei den rund 360 deutschen Tages- und Wochenzeitungen liegt der Anteil von Frauen* in der Chefradeaktion bei 2%. Und auch in der Politik sind Frauen* unterrepräsentiert. Dieser sich überall abzeichnenden Geschlechterhierarchie wollen wir entgegenwirken.
Die Verwendung der Geschlechtskategorien „Frau“ und Mann sind für uns vor allem Analysemittel, um so verschiedene Ausgrenzungsmechanismen und Benachteiligungs-strukturen aufzeigen zu können. Wir begreifen „Frau“ und „Mann“ nicht als feststehende definitive Beschreibungen von Personen: Wir werden nicht als „Frau“ oder „Mann“ geboren, sondern werden erst nach und nach in diese Schubladen gesteckt und darauf festgelegt. Wir verstehen Geschlechtskategorien als gesellschaftlich und historisch gewachsene und tief verwurzelte soziale Konstrukte. Dieses gilt es aufzubrechen – ohne ihre Wirkungsmacht und repressive Kraft für den_die Einzelne_n übersehen oder relativieren zu wollen. Das heißt für uns gegen sexistisch und heteronormativ diskriminierende Strukturen zu handeln und dadurch den Idealen von Freiheit, Emanzipation und Selbstbestimmung zum Durchbruch zu verhelfen. Aus diesem Grund lehnen wir jede Form von Diskriminierung und Unterdrückung wie Rassismus, Sexismus, Homo-, trans*- und inter*-phobie und anderen ab.
Wir wollen selbst nicht im binären Geschlechtersystem verharren, sondern plädieren für ein plurales, flexibles Verständnis von Geschlecht, Begehren und Geschlechtsidentitäten: Es gibt mehr als zwei Geschlechter und somit verschiedenste Geschlechtsidentitäten!
Das Lady*Fest Heidelberg richtet sich an alle und soll so ein offener Raum für vielfältige Lebensformen jenseits festgefahrener Geschlechterrollen sein.
– Be tender to all gender!
Advertisements