Awareness-Konzept

Herzlich Willkommen auf dem Lady*fest Heidelberg, schön, dass Ihr da seid!

Manche von Euch werden sich schon mit Awareness auseinandergesetzt haben, andere lesen vielleicht zum ersten Mal davon. Wir halten es für wichtig uns alle darüber Gedanken zu machen, weil wir mit Euch zusammen ein gemeinsames Lady*fest gestalten wollen, auf dem sich alle möglichst wohlfühlen. Awareness ist nicht nur Aufgabe des Awareness-Teams, sondern aller Teilnehmenden.

Es werden hier ein Haufen einzigartiger Personen mit unterschiedlichen Lebensausrichtungen, Erfahrungen und Geschichten aufeinander treffen. Dieser Vielfalt möchten wir gerne etwas mehr gerecht werden. Das erfordert ein Bewusstmachen der eigenen Position und Offenheit für Positionen von anderen. Und genau um dieses Bewusstmachen geht es beim Awareness-Konzept, das wir Euch hier nun vorstellen.

Falls irgendetwas unklar ist, sprecht uns gerne an.

Bitte meldet euch unter ladyfest-hd@posteo.de oder ruft uns auf dem Orga-Handy an (0152 / 168 12 768), falls ihr Unterstützung wünscht, Fragen habt, Bedürfnisse anmelden wollt etc.

 

Awareness – Was ist das?

to be aware = sich bewusst sein, sich informieren, für gewisse Problematiken sensibilisiert sein

Awareness ist ein Konzept, welches sich mit Problematiken von körperlichen und psychischen Missachtungen von persönlichen Grenzen bis hin zu Gewalt beschäftigt. Verletzendes und grenzüberschreitendes Verhalten, wie z.B. sexistische, rassistische, homo-, transphobe, ableistische oder vergleichbare Übergriffe, werden im Awarenesskonzept des Lady*fests nicht toleriert. Diskriminierungen und Grenzen verletzendes Verhalten werden klar als solche benannt, ebenso deutlich wird einem solchen Verhalten entschlossen entgegengetreten und Betroffene werden unterstützt.

 

Was bedeutet „aware“ sein und Awareness beim Lady*fest Heidelberg?

Awareness bedeutet für uns primär, dass wir keinerlei Übergriffe oder diskriminierendes Verhalten dulden werden. Wir bitten euch alle unser Awareness-Konzept zu unterstützen und umzusetzen.

Das Awareness-Team will Betroffenen zur Seite stehen und sie aktiv unterstützen. Im Sinne von Empowerment versuchen wir, Betroffene darin zu stärken, eigene Handlungsstrategien zu entwickeln, die es ihnen ermöglichen, sich die Situation wieder anzueignen. Es geht darum, das Gefühl von Ohnmacht und Ausgeliefertsein zu überwinden und dass persönliche Grenzen – egal, wo sie liegen – völlig okay sind.

Weiter sind wir uns als Awareness-Team bewusst, dass – auch wenn wir einen „safe space“, einen sichereren Rahmen, bieten wollen – dies niemals vollständig garantiert werden kann. Aber wir wollen unser Bestes dafür geben, dass sich alle auf dem Lady*fest wohl fühlen, nicht diskriminiert oder in ihren persönlichen Grenzen verletzt werden. Wichtig ist hier besonders: Ob eine Grenzüberschreitung stattgefunden hat oder nicht, entscheidet die betroffene Person selbst. Ihr Erleben wird von uns nicht in Frage gestellt.

Viele Menschen erleben in ihrem Alltag solche Übergriffe. Auf dem Lady*fest möchten wir deshalb Rückzugs- und Schutzräume bieten.

Was bedeutet das für uns alle?

Es gibt ein Awareness-Team, das sensibilisiert ist und sowohl Anzeichen als auch übergriffigem Verhalten gemeinsam mit Euch begegnen kann. Kommt gerne jederzeit auf uns zu und sprecht uns an. Wir erwarten von Euch, den Teilnehmenden des Lady*fests, dass Ihr aufmerksam seid: Achtet auf Eure Grenzen und die der anderen. Das bedeutet, mit den eigenen Privilegien und bestehenden Machtstrukturen bewusst umzugehen und eigene Vorurteile und Stereotype zu reflektieren. Bei Diskussionen, egal wie hitzig sie sind, sollte auf eine ausgeglichene Beteiligung geachtet werden, dominantes Redeverhalten ist unerwünscht.

Was tun, wenn etwas passiert?

Grenzüberschreitungen werden individuell von den Betroffenen definiert. Manche Vorfälle führen dazu, dass sich Menschen angegriffen, missachtet, diskriminiert, verletzt, herabgewürdigt oder überfordert fühlen.

Falls Ihr von grenzüberschreitendem Verhalten betroffen seid (oder dieses beobachtet) und unterstützt werden wollt, dann meldet Euch bitte beim Awareness-Team. Wir sind an unseren Awareness-Schildern erkennbar und in gegenderten Teams unterwegs. Falls Ihr uns nicht finden solltet, könnt Ihr auch bei den Personen am Info-Stand oder an der Kasse/Theke Unterstützung holen.

Was wir Menschen, denen es nicht gut geht, als Struktur geben können, ist: sie an einen ruhigen Ort zu bringen und da zu sein, wenn sie nicht alleine sein wollen. Für jemanden „da sein“ kann auch bedeuten, mit der betroffenen Person gemeinsam zu überlegen, wie sie in der vorgefundenen Situation zurechtkommt, was ihr im Augenblick gut tun würde und wie sie handlungsfähig bleiben oder werden kann.

Wir möchten darauf hinweisen, dass wir keine Therapeut*innen oder Psycholog*innen sind, aber gerne weitere Kontaktmöglichkeiten anbieten.

 

Einige weitere wichtige Themen wollen wir noch beleuchten:

Privilegien

Oft merken wir es gar nicht, wenn wir Andere unfair oder unreflektiert behandeln. Das liegt meist daran, dass wir uns der eigenen so genannten Privilegien – Hautfarbe, Begehren, geschlechtliche Identität, Alter, körperliche Einschränkungen, Geld usw. – nicht bewusst sind. Und deshalb die gegebenenfalls andere (gesellschaftliche) Position unseres Gegenübers ebenfalls nicht bewusst haben und erkennen. Dadurch kommt es vor, dass Personen unsensibel auftreten und handeln können. Bitte seid euch also im Umgang miteinander eurer Privilegien bewusst.

Pronomina

Bitte achte darauf, wenn du Leute ansprichst, die du nicht kennst, sie nicht nur nach ihrem Namen zu fragen, sondern auch nach ihrem Pronomen: es gibt beispielsweise er, sie, xier, x, m und noch viele mehr.

Weitere Infos und Beispiele für verschiedenste Pronomina findet ihr hier und an unserer Awareness-Tafel am Infostand.

Konsens

Konsens bedeutet, dass Handlungen und Gespräche nur im gegenseitigen Einverständnis stattfinden. Achte bitte darauf, ob dein Gegenüber dir (auch nonverbal) signalisiert, ob er_sie mit dir sprechen oder interagieren möchte. Generell gilt, nur ein JA ist ein JA (=enthusiastischer Konsens).

Weitere Infos zum Thema Konsens gibt es an der Awareness-Tafel am Infostand.

 

Hier gibt es die Druckvorlage für das Awareness-Zine zum Herunterladen:

Zine für eine umsichtiges Ladyfest

Hosentaschenzine 2014

Hosentaschenzine_2013   Hosentaschenzine_Faltversion 2013

 

Hier noch weitere Infos zu nichtbinären Pronomen (Quelle: feminismus.wikia.com): Nichtbinäre Pronomen

Ein Gedanke zu „Awareness-Konzept

  1. Pingback: Awareness-Konzept und -Zine 2015 | lady*fest_hd

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